Rom, die ewige Stadt. Dieser Ausdruck mag auf diese Stadt durchaus zutreffen, denn die Vergangenheit ist in Form von Ruinen, von Kirchen, Brunnen, Häusern und tausenden, wie zufällig hingeworfenen Relikten aus nahen und fernen Zeiten übersäht. Um die einen kümmert man sich - mehr schlecht als recht - während andere nur durch ihre Unscheinbarkeit und viel Glück die Zeiten überdauert haben.
Von der einstigen Pracht des alten Roms ist leider wenig übrig geblieben. Nur mit viel Vorstellungskraft ist es heute noch möglich, an Stelle von irgendwelchen Mauerresten und Steinhaufen, die eher den Eindruck einer zerbombten Stadt heraufbeschwören, prächtige Paläste, Tempel und Meisterwerke einer Architektur, deren Ziel immer Schönheit und Formvollendung waren, im Geist auferstehen zu lassen.
Über die Jahrhunderte hat man da ganze Arbeit geleistet, und auch heute noch beindrucken die halbherzigen Bemühungen, was übrig ist soweit wie möglich für die Nachwelt zu erhalten, eher durch ihre Inkompetenz und...eben hauptsächlich ihre minimalistische Halbherzigkeit.
Römische Ruinen lassen sich in Rom nicht, oder nur unter erschwerten Bedingungen richtig fotografieren, da die wirklich interessanten Teile entweder ganz abgesperrt sind, oder - sofern zugänglich - durch so viele hässliche, unpassende und z.T. durch brachiale, zerstörerische Gewalt angebrachte Absperrungen, Schilder, Lampen und Drähte verunstaltet sind, dass kein Photoshop der Welt noch etwas ausrichten kann. Hinzu kommt, dass all dies nur - und das ist natürlich der auch nach über 2000 Jahren noch immer bestens gedeihenden Bürokratenkaste zu verdanken - nur zu Zeiten zugänglich gemacht wird, wo das Sonnenlicht einfach zu brutal ist.
Normalerweise bieten grosse Städte immer eine Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In Rom ist die Vergangenheit in Form ihrer Trümmer und Ruinen immer spürbar, die Gegenwart ist zwar auch in Rom angekommen, aber irgendwie nicht richtig greifbar. Was mir aber nach einigen Tagen in dieser Stadt schlagartig bewusst wurde, war die Tatsache, dass in sich in dieser Stadt nirgends irgendwelche Zeichen einer möglichen Zukunft bemerkbar machten. Irgendwie erweckte bei mir diese Stadt den Eindruck, in ihrer längst vergangenen Grösse verharren zu wollen - auf ewig!
Diese Stadt ist darum, im Gegensatz zu vielen anderen Städten, nicht halb so interessant für einen Fotografen, der eigentlich am liebsten spektakuläre Panoramafotos macht.
Glücklicherweise werden Städte nicht nur von Geistern und Gespenstern der Vergangenheit bevölkert, sondern es finden sich auch lebende Menschen, Touristen, Arbeiter und Artisten darin, die ihrem Leben in dieser Kulisse nachgehen. Und so muss der Fotograf lernen, sich mit dem zu begnügen, was da ist und das Beste daraus zu machen...